Dienstag, 8. September 2009

Kauf mich, Deutschland!

Ich möchte mal mit der These anfangen: Deutschland ist, was die Umsetzung einer rassismusfreien Gesellschaft angeht, ein fortschrittsscheues Entwicklungsland (hach, dieses Wort überhaupt mal benutzen zu können..).
Die Personen, die sich in der Position befinden, nachhaltig etwas ändern zu können, besitzen nicht annähernd das nötige Wissen dieses zu bewerkstelligen. Die Personen – sind auch keine Politiker. Die Personen, die tatsächlich etwas ändern könnten, sitzen in den neonbeleuchteten Etagen von Werbung und Medien. Große, böse Marketingfirmen sind es, die alles, was verkauft werden kann, dem Konsumenten auch kaufenswert servieren. Sex sells ja bekanntermaßen schon seit alt-testamentarischer Urzeit. Afrika auch. Ja, Asien auch. Otherness auch. All das, was anders ist, verkauft sich großartig. Deshalb fordert Häagen-Dazs ja auch auf, your tongue to Takatukaland traveln zu lassen. Was sie meinen ist: Exotik – kennste nicht, is aber sexy. Und „sexy“ - ist das was Du brauchst!
Aber schau, die Agenturen arbeiten doch auch für die Guten, die NGOs, für all die Entwicklungshilfeorganisationen, und diese „Bildung durch Integration“-Kampagnen. Was ist mit denen? Was lernt der weiße Durschschnittsdeutsche aus deren Werbung? Richtig: „Aaaaafrika, ist ein Laaand mit Menschen, denen es schleeecht geht.. „ Oder aber: „Uhhh, der, der integriert werden muss is bestimmt der kleene Schwatte in der Mitte mit der Küchenuniform, ..weil der is bestimmt nich deutsch.“ Das kann doch wohl nicht die Idee hinter der Kampagne gewesen sein (das hoffe ich zumindest).
Meine Frage lautet also folgedermaßen. Wo zur Hölle sitzt denn diese Person, die sagt „vielleicht sollten wir mal darauf verzichten, rassistische Stereotypen zu etablieren und zu reproduzieren.“ Hä? Wo is die? Irgendwer muss doch in solchen Firmen die gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, oder? Tun sie auch. Aber – die kennen sich nicht aus.
Und die Medien?
Die, in den Medien benutzte Sprache setzt doch Normen, verdammte Axt! Diese Sprache, diese Wortwahl ist das, was Bürger als politisch-korrekte Sprache wahrnehmen. Wenn aber selbst die Medien anti-rassistische Sprachkonventionen, aufgrund fehlender Kompetenz der zuständigen Redakteure ignorieren, kann bei der Leserschaft, Hörerschaft, der Zuschauerschaft – lapidar ausgedrückt – auch nicht viel hängen bleiben. Möchte das die Redaktion? Nein, aber sie merken es gar nicht, weil sie sich nicht auskennen.
Ich spreche mich hiermit für neue Jobs aus. Für festangestellte Rassismusbeauftragte Okay, für mich. Ich will den Job. Ihr müsst mich nur bezahlen. Ich mach euch zur fortschrittlichsten Werbeagentur Deutschlands. Und Schwupps! Gucken die amerikanischen Geschäftspartner auch nicht mehr so irritiert, wenn ihr euren „neuen Knaller“ präsentiert. Ich mach eure Schmonzette zu dem internationalen Magazin, dass es sein sollte. Und plötzlich seid ihr sogar relevant.
Na, wie wär's?? Du und ich? Wir beide? Ach erwähnte ich bereits, dass ich Exot bin?